Welche Rolle spielt das Auto in der Zukunft?

Am 25.09.2012 von Martin Randelhoff

Europäische Jugendliche machen ihre Führerscheine immer später. Smartphones ersetzen die Rolle des eigenen Autos und stehen für individuelle Freiheit. Welche Bedeutung haben diese Entwicklungen für unsere Gesellschaft? Wie reagieren die Automobilhersteller? Und woher kommen diese Entwicklungen eigentlich?

Weltweit gibt es mittlerweile über eine Milliarde Autos. Insbesondere in den asiatischen und südamerikanischen Schwellenländern ist der Drang nach einem eigenen Pkw ungebrochen. Aber auch in Russland, Indien und einigen afrikanischen Ländern wünschen sich die Menschen nichts sehnlicher als ein eigenes Auto. Einhergehend mit einem steigenden Einkommen, wächst dieser Wunsch immer mehr. Aus diesem Grund hoffen europäische und amerikanische Automobilhersteller, dass in Asien und Lateinamerika der Markt der Zukunft liegt.

 

In Europa und den USA ist der Pkw-Markt mittlerweile gesättigt. Viele Haushalte haben nicht nur ein, sondern gleich zwei oder noch mehr Fahrzeuge. In Ländern wie Deutschland scheint sich der Trend sogar mittlerweile umzukehren. Immer mehr junge Menschen in den Großstädten machen immer später ihren Führerschein. Man muss sich daher wirklich die Frage stellen: Ist daher der Wunsch nach automobiler Freiheit zum 17. oder 18. Geburtstag vorbei?

Die Trends im Überblick

Zwischen 2007 und 2010 machten 11 Prozent weniger Männer bis 24 Jahren den Führerschein, bei den Frauen waren es 10 Prozent. 2008 hatten nur noch 75,5 Prozent der unter 26-Jährigen den Führerschein, acht Jahre zuvor waren es noch 90,6 Prozent. Dies muss aber nicht bedeuten, dass junge Menschen heute vollkommen auf den Erwerb eines Führerscheins verzichten, sie machen ihn nur später. Natürlich spielen die auch die heute nicht unerheblichen Kosten für den Erwerb der Fahrerlaubnis einen Rolle. So kostet ein Führerschein heute schnell 2.000 Euro und mehr.

Heute existieren leistungsfähige Alternativen zum eigenen Pkw

Stattdessen ist die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs und der Fahrrads in den vergangenen Jahren nahezu explodiert. Ein wachsendes Fitness- und Umweltbewusstsein in Verbindung mit steigenden Kraftstoff- und Unterhaltskosten lassen die Attraktivität des eigenen Pkw immer weiter sinken. Wo individuelle Mobilität beispielsweise zum Transport größerer Lasten notwendig ist, stehen heute meistens Carsharingangebote oder Kurzzeitmietangebote von Autoverleihern zur Verfügung. Es ist also nicht mehr zwingend notwendig, einen Pkw zu besitzen.

 

Allerdings muss man einschränken, dass dies nur für gewisse Altersgruppen gilt. Die Verkehrswissenschaft hat festgestellt, dass junge Familien sich dennoch oft einen eigenen Pkw anschaffen, auch wenn sie vor Geburt des Kindes auf diesen verzichtet haben. Die für junge Familien notwendige Flexibilität kann der ÖPNV anscheinend noch nicht bieten.

Unser Sozialgefüge ändert sich

Ein weiterer Trend, der von außerhalb auf den Verkehrssektors wirkt, ist das Smartphone und das Internet. Durch die weite Verbreitung moderner Kommunikationstechnologie können wir unsere sozialen Kontakte heutzutage auch ohne physische Treffen pflegen: Facebook, Twitter und Skype sei dank. Statt uns mit Freunden in der Stadt zu verabreden, um den neusten Tratsch und Klatsch auszutauschen, können wir dies heute ganz einfach vom heimischen Computer aus erledigen. Auch das Einkaufen wurde durch das Internet, Smartphones und diverse eCommerce-Angebote revolutioniert. Niemand ist heute mehr dazu gezwungen, zum Schuhe kaufen in einen Schuhladen zu fahren. Der Paketbote kann uns die Schuhe auch direkt an die Haustür liefern.

Welche Folgen hat dies für unsere Städte – und die Autobauer?

Aus städtebaulichen und verkehrlichen Gründen müssen wir uns Gedanken machen, was für Anforderungen eine Gesellschaft mit sich bringt, die nicht mehr so autozentriert ist wie die heutige. Brauchen wir noch ausgedehnte Parkplätze oder sollte eher eine hohe Aufenthaltsqualität im Mittelpunkt stehen? Wie soll bei einem sinkenden Kraftstoffsteueraufkommen der Straßenunterhalt und -neubau gegenfinanziert werden? Und welche Auswirkungen hat ein veränderteres Mobilitätsverhalten eigentlich auf die Autobauer? Einige scheinen zumindestens die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Denn wieso sollten sie sonst in Carsharingangebote (car2go, iDrive, usw.), Applications (myTaxi, movvel) oder in Studien zur zukünftigen Arbeits- und Lebenswelt  investieren?

 

Bild: Neil KremerCC BY-ND 2.0

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