Radverkehrwachstum allerorten: Was sind die Ursachen?

Am 23.10.2012 von Martin Randelhoff

In den letzten Jahren lässt sich in vielen Städten weltweit eine wachsende Zahl Radfahrer beoachten. Viele Grassroot-Bewegungen und Radfahrlobbyisten werden mittlerweile von der Politik gehört, hin und wieder wird der Straßenraum sogar neu aufgeteilt. Daraus entstehen neue Konflikte und neue Begriffe wie “Kampfradler” und ähnliche. Aber was sind eigentlich die Gründe für diese Entwicklung und wie lässt sich der Radverkehr in groben Zügen weiter fördern?

In den vergangenen Jahren ist der Radverkehr in Deutschland und in auch fast allen restlichen Teilen der Welt gewachsen. In Berlin werden mittlerweile 13 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt, in Dresden 17 Prozent, in Freiburg im Breisgau 13 Prozent und in München sind es 14 Prozent.

 

Die führenden Fahrradstädte in Europa sind aber definitiv Groningen, Zwolle und Münster. Unter den europäischen Hauptstädten führen mit großem Abstand Amsterdam und Kopenhagen. In der dänischen Hauptstadt liegt der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen der Stadt bei über 36 %.

 

Aber auch in den USA ist ein großes Wachstum zu verzeichnen. Insbesondere in den Großstädten New York, Portland und San Francisco hat der Radanteil am Gesamtverkehrsaufkommen mittlerweile einen größeren Anteil erreicht. In den letzten Jahren war ein starkes Wachstum in diesem Bereich zu erkennen. So stieg die Zahl der New Yorker Pendler, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, in den Jahren 2000 – 2011 um 289 Prozent. Das Wachstum hat sich ab dem Jahr 2007 nochmals verstärkt. Zwischen 2009 und 2010 wuchs der Radverkehr um 13 Prozent, zwischen 2010 und 2011 um sieben Prozent.

 

Dies hat verschiedene Ursachen.

Radverkehrsförderung in vielen Kommunen

In den vergangenen Jahren ist in vielen Kommunen das Bewusstsein für die Vorteile des Radverkehrs gewachsen. Das Fahrrad ist ein nicht-motorisiertes Verkehrsmittel, das aber dennoch unabhängig von Fahrplan und großer Infrastruktur Individualverkehr ermöglicht. Das einzige Verkehrsmittel, das ebenfalls eine selbstbestimmte Ortsveränderung ermöglicht, ist der Pkw. Allerdings ist ein hoher Autoanteil in einer Stadt mit viel Lärm, Abgasen, Stau und hohen Unfallkosten verbunden. Diese ganzen Nachteile kann das Fahrrad ausgleichen.

 

Aus diesem Grund haben viele Städte und Gemeinden in den letzten Jahren damit begonnen, den Radverkehr gezielt zu fördern. Sie schaffen Radwege und Abstellmöglichkeiten, öffnen Einbahnstraßen und Fußgängerzonen für Fahrradfahrer oder schaffen gleich Fahrradstraßen, in denen Fahrradfahrer Vorrang vor dem restlichen Straßenverkehr haben. Zusätzlich entstehen in Städten Bikesharing-Angebote wie Vélib’ in Paris, Barclays Cycle Hire in London oder EcoBici in Mexiko City. Aber auch viele kleinere Städte haben mittlerweile leistungsfähige und flächendeckende Bikesharing-Angebote.

 

Aber auch die weichen Faktoren sind für eine Förderung des Radverkehrs wichtig. Bei potenziellen Radfahrern muss überhaupt die Möglichkeit und der Wille der Fahrradnutzung vorhanden sein. Dies hängt eng mit der Mentalität zusammen. In Deutschland mag dies kein Problem sein, in vielen anderen Ländern wie der Türkei oder anderen aufstrebenden Volkswirtschaften ist der Besitz eines eigenen Pkw aber das Maß aller Dinge.

Radverkehrsförderung durch Unternehmen

Der Wille zur Fahrradnutzung im Alltagsverkehr kann von verschiedenen Stellen unterstützt werden. Wie bereits weiter oben im Text angesprochen, entfällt ein großer Teil der Verantwortung auf die Städte und Kommunen. Aber auch Arbeitgeber können ihre Mitarbeiter dazu animieren, das Fahrrad bei der Fahrt zur Arbeit zu nutzen. Aus Gründen der Mitarbeitermobilität, Förderung der Mitarbeitergesundheit, Senken des CO2-Fußabdrucks und zur Unterstützung der Corporate Social Responsibility-Strategie kann eine Förderung des Radverkehrs sinnvoll sein.

 

Förderungsmaßnahmen können beispielsweise die Schaffung von Abstellmöglichkeiten, Dusch- und Umkleidekabinen und die Gratifikation von umweltfreundlicher Mobilität sein. Durch Anreize und die Vereinfachung der Fahrradnutzung können Unternehmen eine wichtige Rolle in diesem Bereich spielen.

 

Bild: m-louis @ FlickrCC BY-SA 2.0

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