Ein Stöpsel für die U-Bahn

Am 21.11.2012 von Martin Randelhoff

Die Folgen des Hurrikan Sandy waren für New York schlimm. Erstmals seit über 100 Jahren wurden die Tunnel der U-Bahn überflutet. Das öffentliche Leben stand still. In Zukunft könnten aufblasbare Stöpsel eine ähnliche Katastrophe verhindern und ein bisschen Normalität auch in Ausnahmesituationen garantieren..

Der Hurrikan Sandy zog Ende Oktober eine Schneise der Verwüstung entlang der Ostküste und richtete Schäden in Milliardenhöhe an. Die durch Sandy verursachte Sturmflut mit ihren bis zu sieben Meter hohen Wellen überflutete auch New York. In der Folge wurden zum ersten Mal seit über 100 Jahren mehrere U-Bahn-Tunnel überflutet.

 

Das öffentliche Leben stand still.

 

Die Metropolitan Transportation Authority (MTA), die Verkehrsgesellschaft des Bundesstaates New York, war den Wassermassen hilflos ausgesetzt. Normalerweise befördert die New Yorker U-Bahn 24 Stunden am Tag, 356 Tage im Jahr Menschen zur Arbeit, Schule und nach Hause. Mehr als 7,8 Millionen Menschen nutzen die U-Bahn jeden Tag.

 

In Folge der Tunnelüberflutungen musste der U-Bahn-Betrieb für mehrere Tage eingestellt werden. Acht Tunnel unter dem East River, die Manhattan mit Brooklyn oder Queens verbinden, waren überflutet. Ein notdürftig zusammengeschustertes Busnotnetz war am Rande seiner Kapazität. Hinzu kommt, dass viele Straßen wegen umgeknickter Bäume und Trümmerteilen unapssierbar waren.

 

Mehrere hundert Millionen Liter Salzwasser zerstörten Elektronik, Zugsicherungsanlagen und U-Bahn-Züge. In den Tunneln und Stationen stand das Wasser meterhoch. Hinzu kommen Tonnen von Schlamm und Geröll, die das Wasser mit in die Tunnelanlagen spülte.

 

Foto: MTA – CC BY 2.0

 

Nach dem Pumpen und Aufräumen mussten viele elektronische Einrichtungen, Signale und Weichensteuerungen erneuert werden. Hoch-korrosives Salzwasser griff Kabel und Leitungen an, die ebenfalls ausgetauscht werden mussten.

 

Auch Wochen nach dem Hurrikan fährt die Linie R immer noch eingeschränkt. Es wird wohl noch mehrere Wochen dauern, bis der New Yorker Untergrund wieder so funktioniert, wie er es sollte. 95.000 Fahrgäste müssen auch heute noch Einschränkungen wegen der Sturmfolgen hinnehmen.

Wie kann man so etwas verhindern?

Wissenschaftler forschen im Auftrag des U.S. Department of Homeland Security bereits seit 2007 an einem Stöpsel (Codename: S&T’s Resilient Tunnel Project (RTP)”, der Überflutungen von Tunnelanlagen verhindern soll. Ein riesiger Ballon mit einem Durchmesser von bis zu 5 Meter und einer Länge von 9,75 Meter soll bei Bedarf aufgeblasen werden und die Tunneleingänge wasserdicht verschließen. Ein Innendruck von 0,7 – 1,4 bar, der sich auch an die Tunnelwand anlegt, soll größere Schäden abwenden.

 

 

Auch bei Wasserrohrbrüchen und plötzlich auftretenden Überschwemmungen soll das System funktionieren. Die Stöpsel werden an strategischen Punkten im Netz platzsparend gelagert. Neben den Gleisen liegend, sind sie ähnlich wie Airbags bzw. Fallschirme gefaltet und lösen im Bedarfsfall aus.

 

Zur Zeit ist das System noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium. Aber es ist wieder einmal ein Beweis, wie man mit recht einfachen Mitteln viel erreichen kann. Auch wenn das Material natürlich absolutes High-Tech ist. Und es bleibt natürlich zu hoffen, dass ein Hurrikan wie Sandy das nächste Mal weniger bewohntes Gebiet trifft…

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