Die USA “schnuppern” am Hochgeschwindigkeits zugverkehr

Am 02.12.2012 von Martin Randelhoff

Das Land des technischen Fortschritts hinkt im Eisenbahnverkehr Jahrzehnte hinterher. Europa und Asien sind meilenweit voraus, die USA gleichen einem Entwicklungsland. Trotz einer Ausdehnung von 4500 Kilometern in West-Ost-Richtung bzw. 2500 Kilometer Nord-Süd fährt kein einziger Hochgeschwindigkeitszug. Wird sich dies nun in absehbarer Zeit ändern?

Die Eisenbahn war einmal das wichtigste Verkehrsmittel in den USA. Die Besiedelung des Mittleren Westen wäre ohne sie nicht denkbar gewesen. In den letzten Jahrzehnten hat die Bedeutung allerdings massiv abgenommen, nur der Schienengüterverkehr spielt noch eine größere Rolle.Lincoln Service von Amtrak

Die Zukunft beginnt – auch in den USA?

Wo in Europa, Asien und bald auch Nordafrika und dem Nahen Osten Hochgeschwindkeitszüge mit bis zu 350 km/h verkehren, quälen sich in den USA Amtrak-Züge mit knapp 100 km/h durch das Land. Die einzige schnellere Strecke in den USA ist der Nordostkorridor, der sich von Boston über New Haven, New York, Philadelphia und Baltimore bis nach Washington, DC. erstreckt. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 240 km/h, kann aber nur auf 29 Kilometer der insgesamt 730 Kilometer langen Strecke mit dieser Geschwindigkeit. Einige Abschnitte können mit 180 bzw. 200 km/h befahren werden, allerdings sorgen Baumängel oftmals für Langsamfahrstellen und eine niedrige Reisegeschwindigkeit. In den nächsten Jahrzehnten soll der Northeast Corridor auf 350km/h ausgebaut werden. Der defizitären US-Bahngesellschaft Amtrak fehlen dafür aber mindestens 40 Milliarden Dollar.

 

Den Republikanern im US-Senat bzw. Repräsentantenhaus ist nur sehr schwer zu erklären, welche Vorteile Hochgeschwindigkeitszugverkehr hat. Vom Vermeiden inländischer Flüge von New York bis Washington D.C. hin zu einer größeren Energiesicherheit (kein Öl) und einer Stärkung des Wirtschaftsraums durch staatliche Eingriffe, wird im konservativen Lager nichts gehalten.

 

Nichtsdestotrotz entstehen in den USA derzeit mehrere Hochgeschwindigkeitszugstrecken, zum Beispiel in Kalifornien oder in Illinois. Aber auch diese Vorhaben sind stark umstritten.

Illinois – Ein Schub für das ganze Land?

Ein erster Schritt wurde mit dem Ausbau der Strecke zwischen St. Louis und Chicago getan. Die 457 km lange Strecke kann nun teilweise mit bis zu 180 km/h befahren werden. Dies entspricht zwar nicht der allgemeinen Definition eines Hochgeschwindigkeitszugverkehrs, der ab 250km/h beginnt, aber im Vergleich zu anderen US-amerikanischen Eisenbahnstrecken werden vergleichsweise hohe Geschwindigkeiten erzielt.

 

Seit Mitte November 2012 ist der 25 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen Dwight und Alton auf 180km/h trassiert. Die restliche Strecke ist zu großen Teilen mit 130 km/h befahrbar. Die Fahrzeit zwischen Chicago und St. Louis sinkt um 90 Minuten auf unter vier Stunden. Der Bau dieser Strecke, der am 17. September in Alton begann, kostet $ 98.000.000.

 

Die notwendigen Finanzmittel stammen aus dem American Recovery and Reinvestment Act, der im Jahr 2009 zur Stärkung der US-Konjunktur aufgelegt wurde. Insgesamt stehen für die Modernisierung des Schienennetzes in Illinois 1,1 Milliarden US-Dollar bereit. Mit den restlichen 1,02 Milliarden Dollar und 400 Millionen Dollar, die der Bundesstaat Illinois selber bereitstellt, sollen die übrigen Teile des St. Louis-Chicago-Korridors aufgerüstet werden. Mehr als 685 Millionen Dollar fließen beispielsweise in die Modernisierung der Gleisanlagen und Bahnübergänge zwischen Dwight und Lincoln. Die Bauarbeiten begannen im April 2011 und sollen übernächstes Jahr fertig gestellt werden.

 

Bis 2015 sollen 75 Prozent der Strecke auf 180 km/h ausgebaut werden. Sie wird in Zukunft das Kernstück des Eisenbahnnetzes in Illinois darstellen und dem Hochgeschwindigkeitsverkehr in den USA einen neuen Schub verleihen.

 

Bild auf der Startseite: contemplative imaging auf Flickr – Creative Commons

 

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