Agenda 26/14

Am 23.06.2014 von Haruki

Der Virus Innovation

Start-up Förderprogramme boomen – auch unter Deutschlands Konzernen. Allen voran investiert die Telekom laut der Süddeutschen Zeitung in neue Unternehmungen: 450 Millionen Euro groß ist der Fonds, aus dem die Telekom Mittel in vielversprechende Geschäftsmodelle und ihren eigenen Inkubator “Hub:Raum” investiert – gegen Beteiligung. Axel Springer hat mit “Plug & Play” ein ähnliches Programm ins Leben gerufen, genauso wie die Allianz, Bayer oder die Commerzbank. Derzeit wird viel Geld investiert – und das, obwohl einer Studie des MIT zufolge nur vier Prozent der Start-ups aus solchen Förderprogrammen durch den Verkauf oder einen Börsengang so viel Geld erlösen, dass auch die ersten Investoren davon profitierten.

 

Doch den großen Konzernen geht es in diesem Fall nicht vorrangig um einen schnellen Return on Invest: Was sie sich die Allianz neben neuen Geschäftsmodellen von Start-ups erwartet, ist laut Süddeutscher Zeitung Kontakt zu einer “Kultur, in der Neues entsteht”. Diese Innovationskultur soll die Konzerne im Idealfall wie ein Virus infizieren. Ob eine solche Transfusion von Innovationsfähigkeit und Veränderungswille von außen gelingt, ist allerdings fraglich. Das Palomar5 Projekt der Telekom kam damals über den Status einer “eigentlich tollen Idee” nicht hinaus. Um die eigene Innovationsfähigkeit zu steigern, müssen Konzerne mehr tun, als in die kreativen Macher aus Start-ups und deren Ideen zu investieren. Denn Veränderung braucht nicht nur einen Neudenker, der sie zu gestalten vermag, sondern auch einen Mitdenker, der in der Lage ist, sie anzunehmen und mit ihr umzugehen. Zu oft führen solche Investitionen und Kooperationen eher zu anorganischem Wachstum oder einem bösen Erwachen als zu echtem Kulturtransfer und mehr Innovationsfähigkeit.

Artikel kommentieren

Ähnliche Beiträge