Agenda 46/14

Am 10.11.2014 von Haruki

Pact Health: Spielerisch die Krankenkassenbeiträge senken

Der Großteil von Menschen hat den eigenen Anspruch, ein gesundes Leben zu führen: Sport zu treiben und sich gesund zu ernähren. Doch all zu oft gewinnt der gemütliche Fernsehabend gegen einen abendlichen Joggingausflug. Der innere Schweinehund hat meist das letzte Wort und übernimmt die Übermacht gegenüber unseren eigenen guten Vorsätzen.

In den Momenten, in denen wir es nicht mehr schaffen uns allein zu disziplinieren, suchen wir dann nach alternativen Wegen unsere sportlichen Aktivitäten am Leben zu halten. Wir verabreden uns beispielsweise mit Freunden und machen den Jogging-Lauf so zur sozialen Verpflichtung.

 

Die App „Pact“ möchte versuchen, uns auf ähnliche Weise auch auf digitalem Wege zu einem gesünderen Leben zu verhelfen. Es handelt sich dabei um ein Community-gestütztes Anreizsystem, das auf dem grundlegenden Dogma der Verhaltenspsychologie basiert – gewünschtes Verhalten über Belohnung und Bestrafung zu induzieren.
Ich als Nutzer formuliere dazu meine eigenen Vorsätze – z.B. am Dienstag 15 km zu joggen – und mache diese für andere Mitglieder der „Pact“-Community öffentlich sichtbar. Halte ich den eigenen Vorsatz dann ein, werde ich monetär von der Community  belohnt, verfehle ich ihn hingegen, muss ich einen Geldbetrag an den Gemeinschaftstopf der Community zahlen. Gesundheit wird so zum spielerischen Wettkampf. Das ist anspornend, kann aber auch schädigend sein. Was nicht vergessen werden darf: Die App trackt und belohnt die Aktivitäten für ein gesünderes Leben, ist aber kein Tracking Tool und Garant für Gesundheit. Und die Gefahr besteht darin, dass der Wettbewerb in der Community ein zwanghaftes und kompetetives Verhalten auslöst, der zu einer Überbeanspruchung und so zu einem umgekehrten Effekt führt.
„Pact“ gibt es z.Z. in mehren Varianten: Sowohl für sportliche Aktivitäten wie auch für gesunde Ernährung. Die Verknüpfung von Fitnesstrackern, GPS-Signalen und selbst hochgeladenen Bildmaterial hilft dabei, Betrug gegenüber der Community und einem Selbst vorzubeugen. So lässt sich fundiert zurückverfolgen, wie weit ich wirklich gejoggt bin, ob ich wirklich zum Salat gegriffen habe oder wie lange ich wirklich im Fitnessstudio war.

 

Mit „Pact Health“ erscheint nun bald eine neue Variante der App. Sie ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem App-Anbieter und Krankenkassen und koppelt die Höhe von Beitragssätzen an die Erfüllung von sportlichen Vorsätzen. Die zugrundeliegende Mechanik bleibt im Grunde dieselbe: Durch Beendigung eines geplanten Workouts kann ich meinen Beitragssatz um 5 $ senken, für jedes nicht erfüllte Workout erhöht sich mein Beitragssatz hingegen um 5 $. Dem ganzen sind natürlich vertragliche Grenzen gesetzt – immerhin bis zu 1300 $ lassen sich so sparen, aber auch bis zu 500 $ verlieren. Doch gerade diese Gefahr von gefühlten Verlusten kann hier anspornend wirken!

 

Wir finden, eine clevere Idee, gerade aus Sicht der Krankenkassen. Diese schaffen sich nämlich Zugriff und mehr Transparenz über ihre Beitragszahler. Statt sich allein auf Patientenfragebögen und Anamnesen durch Hausärzte zu verlassen, machen sie bereits wirksame Anreizsysteme anderer Anbieter für sich produktiv. Auf diese Weise schaffen sie es, dass ihre Mitglieder den gesundheitlichen Aspekt ihres Lebens für sie genauer einsehbar machen und dies auch noch komplett freiwillig.
Aus Sicht des Kunden gibt die Applikation aber auch zu denken. Denn getarnt im spielerischen Gewand, bringen die Krankenkassen ihre Kunden dazu, sich für sie komplett gläsern zu machen. Als Nutzer fehlt mir aber vielleicht das Bewusstsein dafür, welche Konsequenzen gesundheitsschädigende Positionen in meinem Tracking für mich später bedeuten können. Die gesammelten Daten bleiben nämlich dauerhaft gespeichert und können Krankenkassen so später als Argumentationsgrundlage in der Einschätzung von Gesundheitsrisikopotentialen dienen. Der versäumte Joggingausflug kann mir dann teuer zu stehen kommen.

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