Agenda 47/14

Am 17.11.2014 von Haruki

Banking 3.0: Warum Banken sich weiterhin schwer damit tun, alternative Paymentlösungen zu entwickeln

Sieht man sich den Bankensektor an, stößt man immer wieder auf dieselben Forderungen und Herausforderungen, denen sich Banken stellen müssen. Analysten, Consultants und andere Zukunftsweisende prognostizieren dem Bankensektor dramatische Umwälzungen: “Die Bankfiliale wird im Zeitalter des Electronic Banking zu einem Artefakt werden” liest man da. Oder „Kategoriefremde Wettbewerber werden die Eintrittsbarrieren in traditionelle Geschäftsfelder der Banken weiter herabsenken”. Dabei bemühen sich Banken, kundenfreundlicher und zentrierter zu werden. Auch die Privatkundenwerbung spricht unentwegt davon. “Ziel der Retail Banken muss es sein, eine Verbesserung der Kundenbeziehung herbeizuführen, um den Wert pro Kunde zu steigern”. Es ist kein gutes Zeugnis, das den Banken da ausgestellt wird. Und das Schlimmste ist: Vergleichbare Forderungen finden sich bereits in einer Studie der Credit Suisse First Boston. Einer Studie aus dem Jahr 1995.

 

Was ist in den letzten 20 Jahren passiert? Die digitale Revolution hat neue Player auf den Plan gerufen, die heute bankenunabhängig und -übergreifend alternative Paymentlösungen anbieten und damit mitten im ehemaligen Hoheitsgebiet der Banken operieren. Warum fehlt es den Banken an Innovationskraft? Man kann Banken keine Technologie-Aversion unterstellen. Doch sie gehen das Thema Innovation immer aus derselben Sichtweise an: Die Sicherheit von Kundendaten und Zahlungsverkehr stehen an erster Stelle. Anders als Paypal, Google und Co sind Banken in ihren Regularien gefangen: Sicherheit statt Service. Verlässlichkeit statt Vereinfachung.

 

Die neuen, spezialisierten Angebote junger Fin-Tech-StartUps haben eine attraktivere User-Experience als zentrales Asset für sich definiert und kapitalisieren unerschlossene digitale Schnittstellen im Geldverkehr. Dass die Banken das Thema digitale Services verschlafen haben, wird ihnen nun umso schmerzlicher bewusst. Niemand assoziiert Mobile Payment mit einem der etablierten Geldhäuser. Doch nun blasen die Banken zur technologischen Aufholjagd. Zumindest theoretisch, denn noch weiß niemand, wie entsprechende Angebote aussehen und wer sie entwickeln soll. Stehen die Zeichen auf Kooperation oder auf Konkurrenz? Vielleicht spielt den Banken ihre Konzentration auf Datensicherheit ja langfristig in die Karten. Denn je mehr digitale Paymentlösungen auf den Markt kommen, desto mehr Zahlungsdaten werden irgendwo gespeichert und desto anfälliger werden die Systeme. Soweit es digitale Services betrifft, liegt das Wertschöpfungspotenzial der Banken derzeit eher im Back-End als im Front-End: Banken werden vom Serviceprovider zum Infrastrukturgeber für Unternehmen, die das Thema Servicedesign besser verstehen, als Banken es tun. Banken verlieren den direkten Kontakt zum Kunden.

 

Gegen diese strukturelle Problematik helfen keine TV Spots. Für die Banken wird es in Zukunft darum gehen, aus der ihr verbleibenden Bastion der Infrastruktur heraus neue, integrierte Komplettlösungen anzubieten. Denn auch die digitalen Player kommen nicht ohne den Bankensektor, das dort vorhandene Transaktions-Knowhow und dessen Sicherheitsstandards aus. Die Frage ist, ob es den Banken gelingen wird, ihre Kompetenzen zu erweiteren: um Fähigkeiten, die sich auf den Einsatz digitaler Technologien und das Design einer attraktiven User-Experience beziehen. Falls nicht, kommt das viel beschworene “Next Big Thing“ zukünftig vielleicht ganz ohne die Banken aus.

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