Agenda 50/14

Am 08.12.2014 von Haruki

Der Konzern als Inkubator: Zwei mögliche Strategien am Bespiel E.ON und Super RTL

Deutschlands Konzerne richten ihren Blick zunehmend auf die Startup-Szene. Während IT-nahe Konzerne wie SAP oder die Deutsche Telekom bereits seit Längeren im Start-up-Umfeld aktiv sind, finden immer mehr Media-, Industrie- und Finanzunternehmen gefallen daran, die neue Rolle als Inkubator für sich zu entdecken. Die Idee dahinter: Die Assets von beiden Seiten füreinander nutzbar machen. Die großen Unternehmen stellen die nötigen Finanzmittel und Infrastruktur zur Verfügung, um den noch jungen Unternehmen schnelles Wachstum zu ermöglichen. Die Startups wiederum liefern den Großkonzernen das, was sie leider all zu häufig vermissen lassen: Innovationskraft. Die eigenen starren Strukturen, die die Veränderungsfähigkeit lähmen und zu wenig digitales Know-how, haben dazu geführt, dass die meisten Konzernen es bisher versäumt haben, aus dem eigenen Kerngeschäft digitale Wertschöpfung zu generieren. Startups als Treiber digitaler Geschäftsmodelle scheinen da der richtige Ansprechpartner zu sein, um dieses Versäumnis nachzuholen.

 

Dass Konzerne sich in ihrer Inkubator-Rolle dabei ganz unterschiedlich strategisch Ausrichten können, zeigen uns jüngst das Startup-Engagement des Fernsehsenders Super RTL oder auch E.ON mit seinem Innovationsprogramm „E.ON :agile“.

 

Anders als beispielsweise der direkte Konkurrent ProSiebenSat.1 mit der Investmenttochter SevenVentures, geht es Super RTL nicht darum, ein möglichst rentables Portfolio an Startups zu akquirieren, sondern darum, neue Geschäftsbereiche zur Ergänzung des eigenen Kerngeschäfts zu finden. Super RTL sieht seine Kompetenz im Bereich der Unterhaltung für Kinder und sucht nun gezielt nach Unternehmen, die neue Angebote in dieser Kategorie schaffen. Schwerpunktmäßig geht es v.a. um neue digitale Lösungen, die auf eine sich verändernde TV-Landschaft und neue Rezeptionsmuster beim TV-Konsum einzahlen, etwa durch Verknüpfung von Online und TV. Neue Geschäftsfelder sucht Super RTL jedoch auch außerhalb der medialen Unterhalten, etwa im Spielzeugmarkt. – „Die grundlegende Voraussetzung ist: Es muss Kinder ansprechen.“ sagt der Biz-Dev-Leiter Markus Steinhoff dazu. Neben finanzieller Unterstützung lockt Super RTL auch mit exklusiven Mediadeals in Form von kostenfreien Werbeplätzen für mögliche Startup-Partner.

 

Einen anderen Weg wählt „E.ON :agile“. Das Förderprogramm ist eine Reaktion auf den Wandel des Energiemarkt und sucht nach neuen, umweltfreundlichen Technologien und Geschäftsmodellen abseits der klassischen zentralen Erzeugung von Energie. Zwar haben auch externe Personen die Möglichkeit an diesem Förderprogramm teilzunehmen, dennoch legt „E.ON :agile“ den Fokus auf den Ideenreichtum der eigenen Mitarbeiter. Das Programm möchte an den Unternehmergeist der Mitarbeiter appellieren. Diese können ihre Ideen für nachhaltige, innovative Energiegewinnung oder auch Ideen für die smarte Steuerung von Energie einreichen. Erhält die Idee genügend Zuspruch, können die Ideengeber ihr Projekt in Co-Working-Atmosphäre weiterentwickeln und validieren. „E.ON :agile“ ist der Versuch, einen unabhängigen Raum für Innovation zu schaffen und somit Innovationskultur und Gründergeist zurück ins Unternehmen zu bringen.

 

Während Super-RTL die Start-Up-Szene dazu nutzt, seine eigene Innovationsabteilung out zu sourcen und Startups als Zielgruppe seines Förderprogramms begreift, versucht E.ON neue Strukturen zu schaffen, die das Gründerdenken abseits vom Tagesgeschäft wieder beflügeln sollen und jungen potentiellen Gründern dabei eine Möglichkeit gibt, ihre Ideen zu realisieren. Statt bestehende Startups anzusprechen, möchte man zum Gründen animieren und beratend zur Seite stehen. Wir begrüßen beide Ansätze, die demonstrieren, dass es für Konzerne noch alternative Wege abseits von Zahlungen aus Finanzierungsrunden gibt, um die Startup-Szene zu unterstützen und von ihr zu profitieren. In beiden Fällen ist es für die Unternehmen aber auch umso wichtiger, die Anschlussfähigkeit der Ideen zu sehen und richtig einschätzen zu können um sich und die Startups in der Entwicklung nicht selbst auszubremsen.

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